Thomas Evangelium  Logion 43 bis 85

Das Evangelium nach Thomas kann ohne den Kontext der Bibel kaum richtig gedeutet werden. Im Kontext der Bibel streicht es die Dringlichkeit zur Einkehr in die Einheit im “Reich Gottes” heraus, die im Geist gewonnen wird.

 

So ergeht die eindringliche Bitte an alle Leser des Thomas Evangeliums, dieses in Ergänzung der vier anderen Evangelien zu lesen, nicht aber als Gegenposition aufzufassen und damit womöglich falsch zu interpretieren. „Wer die Deutung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.“, sagt Jesus im Logion 1 und man sollte ergänzen, dass diese nur im Heiligen Geist und im Gesamtzusammenhang der Bibel gefunden werden kann.

Ich habe nachfolgend die Textpassagen von Logion 43-85 des Thomas Evangeliums zusammen mit je  einer Quintessenz und kurzen Erläuterung dargestellt.

Logion 43 
(die Übersetzung aller Logions in diesem Post stammt von http://www.meyerbuch.com/pdf/Thomas-Evangelium.pdf)

Seine Jünger sprachen zu ihm: „Wer bist du, der du uns diese Dinge sagst?“
[Jesus sprach zu ihnen:] „Aus dem, was ich euch sage, erkennt ihr nicht, wer ich bin? 
Aber ihr seid wie die Juden geworden: denn sie lieben den Baum und hassen seine Frucht, 
und sie lieben die Frucht und hassen den Baum.“

Derjenige, der die Frucht des Heiligen Geiste hervorbringt, der ist der Heilige Geist. Die Frucht gibt es nur im Heiligen Geist, nicht außerhalb von ihm.

Die Menschen sehen den anderen Menschen, den Jesus an und fragen sich, wo seine Weisheit her kommt. Sie erkennen nicht, das Jesus und die Quelle der Weisheit untrennbar Eins sind. Ebenso ist es mit jedem Menschen, der eingegangen ist in den göttlichen Geist. Seine Erscheinung und die Quelle seiner Erscheinung können nicht getrennt werden. Die Menschen versuchen es zu trennen, um ihre Illusion vom unabhängigen Menschen aufrecht halten zu können.

 

Logion 44 

Jesus sprach: „Wer den Vater lästert, dem wird vergeben werden, und
wer den Sohn lästert, dem wird vergeben werden; wer aber den Heiligen
Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden, weder auf Erden noch im
Himmel.“

Die Vergebung findet im Heiligen Geist statt. Wer aber den Heiligen Geist lästert, ihm also nicht glaubt, der ist auch nicht im Heiligen Geist. Es kann daher für ihn keine Vergebung geben, bis er die Lästerung des Heiligen Geistes vollumfänglich einstellt.

Der Heilige Geist führt alles zusammen und bewirkt Vergebung und Versöhnung derjenigen Lebensströme in sich, die sich dem Prozess der Versöhnung anschließen. Hierzu ist es aber erforderlich, dass dem Heiligen Geist zugehört wird, dass im geglaubt wird. Wer dem nicht glaubt, sondern es als Lüge oder Bosheit oder Täuschung abtut, der kann unmöglich in den Genuss der Vergebung und Versöhnung kommen. Wer dem Heiligen Geist glaubt, der wird von ihm auch über Vater und Sohn belehrt. Insofern ist das Glauben dessen, was uns der Heilige Geist vermittelt die Voraussetzung für alles Weitere. Die Strategie der weltlichen Welt besteht nun darin, die Quelle der Wahrheit, den Heiligen Geist, als Lügner zu diskreditieren und statt dessen die Lüge als Wahrheit zu verkaufen. Somit ist es für den Menschen zunächst schwierig, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. Um dies dennoch aufzulösen haben wir Jesus Christus, der uns den Heiligen Geist sendet (bzw. Gott). Wenn wir also Jesus Christus glauben und um den Heiligen Geist bitten, so wird uns zuverlässig der wahre Heilige Geist gesendet und weitere Irrungen bleiben uns erspart.

 

Logion 45 

Jesus sprach: „Trauben werden nicht von Dornensträuchern geerntet,
noch werden Feigen von Weißdornsträuchern gepflückt, denn sie geben keine Frucht.
Ein guter Mensch bringt Gutes aus seinem Schatz.
Ein schlechter Mensch bringt Schlechtheiten aus seinem schlechten Schatz, der in seinem Herzen ist, 
und er sagt Schlechtheiten, denn aus der Überfülle des Herzens bringt er Schlechtheiten hervor.“

Tragt in Euren Herzen die Reinheit Gottes ohne Zusätze (ohne Verkehrungen).

Der Schatz des guten Menschen ist Gott, mit dem er Eins ist. Der schlechte Mensch hat hingegen in seinem Herzen Verfremdungen und Umkehrungen der göttlichen Weisheit vorgenommen, aufgrund derer er Bosheiten hervorbringt.

 

Logion 46  

Jesus sprach: „Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den
von Frauen Geborenen keinen Höheren als Johannes der Täufer, daß seine
Augen nicht [vor ihm] niedergeschlagen werden sollen. Ich aber habe
gesagt: Wer von euch klein wird, wird das Königreich erkennen und wird
über Johannes erhoben werden.“

Haltet Euch nicht für den geborenen Menschen, sondern enthaltet Euch der Meinung über Euch. Seid also klein und natürlich wie die Kinder.

In den Geist des Herrn geht nur ein, wer sich selbst für nichts spezielles hält und aus dem Geist lebt, nackt und natürlich. Wer sich aber für den von einer Frau geborenen Menschen hält, der wird hinter Johannes dem Täufer zurückbleiben.

Logion 47 

Jesus sprach: „Es ist unmöglich, daß ein Mensch zwei Pferde besteigt,
zwei Bogen spannt. Und es ist unmöglich, daß ein Diener zwei Herren dient,
oder er wird den einen ehren und den anderen geringschätzen.
Kein Mensch trinkt alten Wein und wünscht sogleich, neuen Wein zu
trinken. Und man gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche, damit sie nicht
zerbersten; noch gießt man alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er
ihn nicht verdirbt. Man näht nicht einen alten Flicken auf ein neues
Gewand, da ein Riß entstehen würde.“

Legt den alten Geist nieder und lebt ganz im Heiligen Geist. Es gibt keine Kompromisse. Entweder oder.

Wir können entweder im Heiligen Geist stehen, oder aber nicht. Beides gleichzeitig geht nicht. Wir müssen also unseren alten Geist (die Geister) hinter uns lassen und in das verheißene Land, den Heiligen Geist einziehen.

 

Logion 48 

Jesus sprach: „Wenn zwei miteinander Frieden schließen in diesem
einen Hause, werden sie zum Berg sagen: Bewege dich fort, und er wird
sich fortbewegen.“

Leistet keinen Widerstand gegen denjenigen, der Euch Leben schenkt, sondern schließt Frieden. So werdet ihr Eins sein in Gott.

Der Mensch widersteht innerlich dem Geist Gottes. Dennoch ist der Geist Gottes da und verformt sich in denjenigen, der ihm nicht glaubt. Der Ungläubige wird also von demjenigen belebt, an den er nicht glaubt. Wird sich aber der Ungläubige dem Wahren zuwenden und mit ihm Frieden schließen, dann gibt es nur noch ihn, der andere ist überflüssig. Wenn dies erfolgt ist, dann wirkt die wahre Kraft Gottes im Menschen und der Mensch ist eingegangen ist das Reich Gottes. Es ist die vollkommene Erlösung und selbstverständlich gibt es dann auch keine Grenzen mehr. Für Gott ist alles möglich und das kann durch seine Menschen geschehen.

 

Logion 49 

Jesus sprach: „Selig sind die Einsamen und Auserwählten,
denn ihr werdet das Königreich finden, da ihr daraus seid und dorthin
zurückkehren werdet.“

Schließt Euch nicht der Täuschung an, sondern liebt und erkennt die Getäuschten von Gott her.

Tatsächlich ist derjenige einsam, der nicht in das Reich Gottes eingeht. Dennoch stimmt es paradoxer Weise, dass eine Enthaltung von der Verkehrtheit der Welt erforderlich ist, um in den Geist Gottes einzugehen. Dann ist man allerdings wiederum bei allen Menschen und begleitet sie, verliert sich gar in ihnen. Und doch bleibt man Eins im Herrn. Die hier gemeinte Einsamkeit ist also nur die Enthaltung von der Täuschung, nicht aber die Enthaltung vom Leben und die Menschen. Man kann das nur erreichen und verstehen, wenn man in den Geist eingeht.

 

Logion 50 
Jesus sprach: „Wenn sie zu euch sagen: ‚Woher kamt ihr?’, sagt zu
ihnen: ‚Wir kamen aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst entstand und
sich begründete, und sich in ihrem Bild offenbarte.’
Wenn sie zu euch sagen: ‚Wer seid ihr?’, sagt: ‚Wir sind seine Söhne, und
wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters.’
Wenn sie euch fragen: ‚Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?’, sagt
zu ihnen: ‚Es ist Bewegung und Ruhe.’“

Was wir in Gott sind begründet sich selbst in sich. Es ist absolut und braucht keine Ursachen. Es ist lebendig und ruht doch in sich. Geht ein.

Wie soll man das Göttliche in Worte fassen? Alle Erklärungen, so auch hier, schlagen letztlich fehl. So kann man nur andeuten und hindeuten. Tatsächlich muss man eingehen und es so annehmen, wie es eben ist. Und es bewegt sich immerzu, bleibt aber dennoch es selbst. Sehr wahr.

 

Logion 51 

Seine Jünger sprachen zu ihm: „Wann wird die Ruhe der Toten
eintreten, und wann wird die neue Welt kommen?“
Er sprach zu ihnen: „Was ihr erwartet, ist gekommen, aber ihr erkennt es
nicht.“

Wartet nicht auf das Himmelreich, denn es ist heir und jetzt und steht Euch offen.

Die Ewigkeit bricht nicht in der Zukunft an, sondern sie ist hier und jetzt. Man muss sie nur entdecken und in sie eingehen.

Logion 52 

Seine Jünger sprachen zu ihm: „Vierundzwanzig Propheten sprachen in
Israel, und sie alle sprachen in dir.“
Er sprach zu ihnen: „Ihr habt den Lebendigen, der vor euch ist, ausgelassen
und habt von den Toten gesprochen.“

Findet den Lebendigen und seid Eins mit ihm.

Es geht im den Lebendigen, nicht darum, in welchen Formen er sich zeigt. Die Formen wandeln, wir bleiben nicht in einer Form. Aber wir bleiben wer wir sind, wenn wir Eins sind mit dem Lebendigen.

 

Logion 53 

Seine Jünger sprachen zu ihm: „Nützt die Beschneidung oder nicht?“
Er sprach zu ihnen: „Wenn sie nützte, würde ihr Vater sie beschnitten aus
ihrer Mutter zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen
Nutzen gehabt.“

Schneidet alles aus Eurem Geist, bis nur noch der reine Lebendige da ist, der alles belebt und lebt.

Äußerliche Handlungen sind als Hinweise darauf zu verstehen, was sich innerlich vollziehen soll. Bleibt es bei der äußerlichen Handlung, gibt es keinen Wert.

 

Logion 54  

Jesus sprach: „Selig sind die Armen, denn euer ist das Himmelreich.“

Seid das Leben und versucht nicht etwas zu sein oder festzuhalten, was darin erscheint.

Arm ist derjenige, der auf alles verzichtet und keinen Besitzt hat, er ist das Leben selbst.

 

Logion 55 

Jesus sprach: „Wer seinen Vater nicht haßt und seine Mutter, kann
nicht mein Jünger werden. Und wer seine Brüder und seine Schwestern
nicht haßt und wer nicht sein Kreuz nimmt wie ich, wird meiner nicht
würdig sein.“

Kehrt Euch ab von der Täuschung und findet den Heiligen Geist.

Logion 55 scheint dem ersten Eindruck nach im krassen Widerspruch zur Bibel zu stehen. Allerdings ist der Hintergrund wiederum darin zu finden, dass man sich der Falschheit und Täuschung der weltlichen Welt enthalten muss, diese also ablesen muss, um schließlich ganz rein im Leben stehen zu können, im Geist Gottes. Von dort her liebt man alle Menschen und erkennt ihre Täuschungen, aber auch das, was sie wirklich sind. Man liebt sie dann tatsächlich.

 

Logion 56 

Jesus sprach: „Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam 
gefunden; und wer einen Leichnam gefunden hat, ist der Welt überlegen.“

Erkennt das Leben, haltet nicht die Ausdrücke des Lebens für lebendig.

Die Welt hat für sich genommen kein Leben, sie ist vollkommen tot. Was lebt, das ist das Leben, in dem die Welt als fließender Eindruck auftaucht. Man muss das Leben erkennen und sich nicht von den Dingen täuschen lassen.

Logion 57 

Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Menschen, der
eine gute Saat hatte. Sein Feind kam des nachts und säte Unkraut unter die
gute Saat. Der Mensch erlaubte ihnen nicht, das Unkraut auszureißen. Er
sprach zu ihnen: Damit ihr nicht geht, das Unkraut auszureißen, und den
Weizen mit ihm ausreißt. Denn am Tag der Ernte wird das Unkraut sichtbar
werden, und es wird ausgerissen und verbrannt werden.“

Habt Hoffnung und Zuversicht, dass das Leben einen Sinn hat und alles Böse am Ende entfernt bzw. umgewandelt wird in Gutes.

Das Bild der Saat und der Ernte wird von Jesus gerne verwendet. Es deutet auf ein Grundprinzip hin, das sich im Leben zeigt und das Leben ausmacht. So wächst das Leben und seine Lebenswege, indem sich das Leben selbst sät. DAs was wird ist das was sich gibt und auch das, was geerntet wird und als Samen dient. Ein ganz wichtiger Umstand, auf den hier hingedeutet wird, ist auch der des Wachsens einer guten Ernte, allem Unkraut zum Trotz. DAs Leben bringt also letztlich etwas hervor, dass vom Leben selbst geschätzt wird. Was kann es sein? Es kann Liebe sein, Lebensmut, Erlebnisse, Seelentiefe, Sehnsucht, Freude und vieles mehr. So ist das Leben also nicht sinnlos, die Bosheit soll uns hier nicht täuschen. Womöglich ist gar die Bosheit am Ende mitverantwortlich für das Gute das erwächst. Es wäre möglich und weil es möglich ist, wird das Leben es auch verstehen und nutzen. Es gibt uns doch Hoffnung: das Unkraut wird nicht bleiben, es wird im Feuer des Heiligen Geistes in Erkenntnis verwandelt und verschwindet daher letztlich aus der Frucht und dem Samen.

 

Logion 58 

Jesus sprach: „Selig der Mensch, der gelitten hat, er hat das Leben
gefunden.“

Freut Euch, wenn ihr im Leid bereitet wurdet für das Himmelreich. Ihr sollt getröstet werden.

Auch im Thomas Evangelium wird der sinn des Leids nicht unerwähnt gelassen. Offensichtlich dient auch das Leiden einem höheren Sinn. So können wir durch das Leid das Leben finden. DAs Leid macht uns schließlich empfindsam, es bereitet uns für Mitgefühl und Liebe. Freut Euch also, ihr Leidenden. Ihr sollt getröstet werden.

 

Logion 59 

Jesus sprach: „Gebt acht auf den Lebendigen, solange ihr lebt, damit
ihr nicht sterbt und versucht, ihn zu sehen, und nicht werdet sehen können.“

Dein Leben sollst Du nutzen, um den Lebendigen zu finden. Verlasse Dich nicht auf den Tod.

Das Leben ist hier und jetzt zu finden. Im Tod kann es nicht gefunden werden. Und wer es jetzt nicht findet, der ist nicht im Leben. Lasst uns also eingehen ins Leben.

 

Logion 60 

Sie sahen einen Samariter, der ein Lamm trug auf dem Weg nach Judäa.
Er sprach zu seinen Jüngern: „Der Mann ist um das Lamm.“
Sie sprachen zu ihm: „Damit er es schlachte und esse.“
Er sprach zu ihnen: „Solange es lebt, wird er es nicht essen, sondern nur,
wenn er es geschlachtet hat und es ein Leichnam geworden ist.“
Sie sprachen: „Anders kann er es nicht tun.“
Er sprach zu ihnen: „Auch ihr, sucht einen Ort für euch zur Ruhe, damit ihr
nicht ein Leichnam werdet und gegessen.“

Seid der Geist, der immer da ist, ganz gleich was zu geschehen scheint. Seid das Lebendige, nicht das Objekt, sondern das was das Objekt wandelt und erscheinen lässt.

Jesus warnt seine Jünger davor, ein Leichnam zu werden. Der Leichnam ist der Geist, der sich im Objekt verfangen hat und vom Leben abgrenzt. So sollen wir in das Leben eingehen, denn es ist lebendig und es ruht gleichzeitig in sich. Der Ort der Ruhe ist das Lebendige. Es ist das Reich Gottes. Der Heilige Geist.

 

Logion 61 

Jesus sprach: „Zwei werden ruhen auf einem Bett, einer wird sterben,
der andere wird leben.“
Salome sprach: „Wer bist du, Mensch, daß du auf meine Liege
gestiegen bist und hast an meinem Tisch gegessen?“
Jesus sprach zu ihr: „Ich bin der, der aus dem Ungeteilten ist; mir ist von
dem, was meines Vaters ist, gegeben.“
[Salome sprach:] „Ich bin deine Jüngerin.“
[Jesus sprach zu ihr:] „Darum sage ich: wenn er zerstört ist, wird er mit
Licht gefüllt sein. Wenn er aber geteilt ist, wird er mit Dunkelheit gefüllt
sein.“

Der wahre Mensch ist ungeteilt, er ist Eins in Gott. Werde der wahre Mensch und lasse den unwahren Menschen sterben.

Die Zwei sind der lebendige Gott und der Mensch, der sich für etwas geteiltes hält und diese Teilung geistig pflegt durch seine Sünden und Anmaßungen. Dieser falsche Geist muss sterben, dass nur noch der wahre Geist da ist. Dann ist Licht da, sonst ist Dunkelheit da, denn das Licht wird abgeschattet vom unverständigen Menschen.

Logion 62 

Jesus sprach: „Ich sage meine Geheimnisse denen, die
[würdig sind meiner] Geheimnisse. Was deine Rechte tut, soll deine Linke
nicht erfahren.“

Seid ehrlich und wünscht Euch die Wahrheit zu erfahren.

Die Wahrheit richtet sich nicht an die Lüge, die die Wahrheit stets verdreht. Würdig ist daher nur derjenige, der die Wahrheit glauben möchte und auf diese Weise aus der Täuschung entkommen möchte.


 

Logion 63

Jesus sprach: „Es war ein begüterter Mann, der viel Reichtum hatte. Er
sprach: Ich werde meine Reichtümer benutzen, um zu säen, zu ernten, zu
pflanzen, meine Speicher mit Frucht zu füllen, auf daß mir nichts fehle. Das
war es, was in seinem Herzen dachte. Und in jener Nacht starb er. Wer
Ohren hat, möge hören.“

Sucht Sicherheit und Leben allein beim Lebendigen Gott. Ihr könnt Euch Leben und Sicherheit nicht auf andere Weise erhalten oder erzeugen. Alleine seid ihr verloren.

Wer etwas besitzt, der lebt in  Gottferne, er sucht Sicherheit auf nichtige Weise. Die Sicherheit gibt es nur in völliger Besitzlosigkeit in Einheit mit Gott. Wer es auf andere Weise versucht, der geht zugrunde.

 

Logion 64 

Jesus sprach: „Ein Mann hatte Gäste; und als er das Mahl zubereitet
hatte, sandte er seinen Diener, damit er die Gäste einlade.
Er ging zum ersten und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Der sprach:
Ich habe Geld bei Kaufleuten, sie werden heute abend zu mir kommen, ich
werde gehen und ihnen Anweisungen geben. Ich entschuldige mich für das
Mahl.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr hat dich
eingeladen. Er sprach zu ihm: Ich habe ein Haus gekauft, und man verlangt
für einen Tag nach mir. Ich werde keine Zeit haben.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er
sprach zu ihm: Mein Freund wird heiraten, und ich werde ein Mahl bereiten.
Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich für das Mahl.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er
sprach zu ihm: Ich habe ein Gut gekauft und gehe, den Pachtzins zu
erhalten. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich.
Der Diener ging und sprach zu seinem Herrn: Die du eingeladen hast zum
Mahl, lassen sich entschuldigen. Der Herr sprach zu seinem Diener: Geh
hinaus auf die Straßen, bringe die, die du findest, damit sie speisen. Die
Geschäftsleute und Händler werden die Orte meines Vaters nicht betreten.“

Sei nicht mit eigenen Geschäften beschäftigt, sondern suche den Herrn vor allem anderen.

Die beschäftigte Welt sucht ihr Heil jenseits von Gott und gewinnt damit nichts, verliert aber alles.

 

Logion 65 

Er sprach: „Ein rechtschaffener Mann hatte einen Weinberg.
Er gab ihn Winzern, damit sie in ihn bearbeiteten und er die Frucht von
ihnen erhielte. Er schickte seinen Diener, damit die Winzer ihm die Frucht
des Weinbergs gäben. Sie ergriffen seinen Diener, schlugen ihn und hätten
ihn fast erschlagen. Der Diener ging und sagte es seinem Herrn. Sein Herr
sprach: Vielleicht hat er sie nicht erkannt. Er schickte einen anderen Diener
und die Winzer schlugen auch diesen. Dann schickte der Herr seinen Sohn.
Er sprach: Vielleicht werden sie Achtung haben vor meinem Sohn. Die
Winzer, da sie erfuhren, daß er der Erbe des Weinbergs war, packten ihn
und töteten ihn. Wer Ohren hat, möge hören.“

Lasst alles Gott und eignet Euch nichts an. So könnt ihr im Leben bleiben.

Die Menschen haben die Kreation Gottes als ihr Eigentum betrachtet und wehren sich gegen Gott. So ist es mit dem Leben eines Menschen, wer es an sich reißen möchte, der verliert das Leben. Wer es aber dort lässt, wo es lebt, der bleibt im Leben..

 

Logion 66 

Jesus sprach: „Zeigt mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben:
Er ist der Eckstein.“

Erkennt das lebendige Leben und versucht nicht etwas eigenes an seine Stelle zu setzen.

Die Bauleute sind die weltlichen Menschen, die mit ihren eigenen Mitteln bauen wollen und das Leben ignorieren. Sie sind getäuscht und werden scheitern. Erst die Rückkehr zum lebendigen Leben wird die Errettung bringen.

Logion 67 

Jesus sprach: „Wer das All erkennt, sich selbst aber verfehlt, verfehlt
das Ganze.“

Erkenne dich im unsichtbaren Gott.

Der Mensch sucht nach Antworten dort, wo es keine zu finden gibt. Er sucht nicht nach sich selbst. Er versteht nicht den Zusammenhang, weil er sich abwendet von der Antwort und lieber den Fragen folgt.

 

Logion 68 

Jesus sprach: „Selig seid ihr, wenn ihr gehaßt und verfolgt werdet, und
sie werden keinen Ort finden dort, wo man euch verfolgt hat.“

In Gott seid ihr sicher, wenngleich die Getäuschten euch töten wollen.

DAs Lebendige hat keine Adresse, es ist das, was die Eindrücke erzeugt. Wie sollte es der Eindruck finden?

 

Logion 69 
Jesus sprach: „Selig sind, die verfolgt worden sind in ihrem Herzen;
diese sind es, die den Vater wahrhaft erkannt haben.
Selig sind die Hungrigen, denn der Bauch dessen, der es wünscht, wird
gefüllt werden.“

Lasst Euch von Anfechtungen nicht aufhalten, wenn ihr in Gott eingehen wollt, werdet ihr es auch. Habt Vertrauen.

Wer Gott wirklich sucht und will, der wird in ihm aufgehen. Der Weg hin zum Vater ist zwangsläufig mit Widerständen versehen und Anfeindungen müssen kommen und überwunden werden.

 

Logion 70 

Jesus sprach: „Wenn ihr das hervorbringt in euch, wird das, was ihr
habt, euch retten. Wenn ihr das nicht habt in euch, wird das, was ihr nicht
habt in euch, euch töten.“

Letztlich kannst Du nur in Gott überleben. Wenn Du nicht eingehst, verschwindest Du.

Am Ende bleibt nur der Heilige Geist. Wenn wir nicht eingehen in ihn, werden wir von ihm ausgelöscht.

 

Logion 71  
Jesus sprach: „Ich werde dieses Haus [zerstören], und niemand wird es
aufbauen können.“

Geht in das wahre Haus ein, denn das falsche Haus, an dem ihr Euch festklammert, wird vergehen.

Das falsche gottferne Haus wird zerstört werden. Nur das Göttliche wird bleiben..

Logion 72 
[Ein Mann sprach] zu ihm: „Sage meinen Brüdern, daß sie die
Besitztümer meines Vaters teilen sollen mit mir.“
Er sprach zu ihm: „O Mann, wer hat mich zu einem Teiler gemacht?“
Er wandte sich seinen Jüngern zu und sprach ihnen: „Bin ich denn ein
Teiler?“

Suche Einheit, nicht Teilung.

Gott teilt nicht, sondern vereinigt.

 

Logion 73

Jesus sprach: „Die Ernte ist zwar groß, der Arbeiter aber sind wenige.
Bittet aber den Herrn, daß er Arbeiter sende für die Ernte.“

Bittet Gott um Hilfe für die Einkehr in das Reich Gottes.

Viele Menschen wären reif, um in den Herrn einzukehren, doch es fehlen diejenigen, die Ihnen den Weg zeigen.

 

Logion 74 
Er sagte: ,,Oh Herr, es sind viele um die Zisterne herum, es ist aber niemand in der Zisterne.``

Geht in das Reich, steht nicht um das Reich Gottes herum.

Damals wie heute stehen die meisten Menschen nur in der Nähe des Heiligen, gehen aber nicht in dieses hinein. Es fehlt offensichtlich die Entschlossenheit und der Mut.

 

Logion 75 

Jesus sagte: ,,Viele stehen an der Tür; die Einzelnen jedoch sind es, die in das Brautgemach eingehen werden.``

Steht nicht in der Meute der Pharisäer, sondern geht alleine in den Herrn ein. Ihr benötigt dafür keine Hilfe von den Pharisäern.

Nur wenige gehen in das Reich ein, während viele darum herum stehen. Wer sich in die Selbst-Hypnose der Rumstehen einfindet, der wird nicht eingehen. Wer sich aber davon befreit, der kann eingehen.

 

Logion 76

Jesus sagte: ,,Das Königreich des Vaters gleicht einem Kaufmann, der eine Warenladung hat und der eine Perle fand. Jener Kaufmann war klug; er gab die Warenladung weg und kaufte sich allein die Perle. Ihr auch, sucht nach seinem Schatz, der nicht aufhört zu bestehen, dort, wohin keine Motte kommt, um zu fressen, und kein Wurm etwas verdirbt!``

Sucht allein den Lebendigen und lasst alles andere fallen!

Jesus verwendet gleich eine ganze Palette von Bildern, um uns zu verdeutlichen, dass wir nichts von unserem Unrat behalten können, wenn wir in das Reich Gottes eingehen wollen. Wir sollen den Unrat gehen lassen.

 

Logion 77 

Jesus sagte: ,,Ich bin das Licht, dieses, das über allen ist. Ich bin das All; das All ist aus mir herausgekommen. Und das All ist zu mir gelangt. Spaltet ein Holzstück, ich bin da. Hebt den Stein auf und ihr werdet mich dort finden.``

Findet Euch in dem, was alles erzeugt und belebt.

Alles besteht aus dem Einen, das Gott ist. Es gibt sonst nichts. Die Idee eines unabhängigen Menschen ist ein Irrtum. Der Mensch besteht aus Gott, verwickelt sich aber in eine Ablehnung Gottes und möchte sein eigener Gott sein. DAs wird scheitern, in jedem einzelnen Fall. Wir müssen uns in Gott finden.

Logion 78  

Jesus sagte: ,,Weshalb seid ihr auf das Feld hinausgegangen? 
Um ein Schilfrohr zu sehen, das vom Wind bewegt wird? Um einen Menschen zu sehen, 
der weiche Kleider trägt wie eure Könige und Mächtigen? 
Diese sind es, die weiche Kleider tragen, und sie werden nicht in der Lage sein, 
die Wahrheit zu erkennen.``

Richtet Euch nicht in der Täuschung der Eigenständigkeit ein, sondern im Reich Gottes.

Wer es sich in der Welt unter den getäuschten Menschen bequem (erfolgreich) eingerichtet hat, der wird das Reich Gottes nicht finden (wollen).

 

Logion 79  

Es sagte zu ihm eine Frau aus der Menge: ,,Selig der Mutter-Leib, der dich getragen hat, 
und die Brüste, die dich ernährt haben.`` Er sagte zu ihr: ,,Selig, die das Wort des Vaters 
gehört und es in Wahrheit gehütet haben. Denn es werden Tage kommen, daß ihr sagt: 
,Selig der Mutter-Leib, der nicht empfangen hat und die Brüste, die keine Milch gaben.```

Die weltliche Geburt täuscht über das ewige Leben hinweg, welches stetig Leben fließen lässt. Dieses findet!

Das Leben selbst, das Göttliche, Gott, ist die Mutter allen Lebens und erschafft aus sich heraus, ohne Befruchtung.

 

Logion 80 

Jesus sagte: ,,Wer die Welt erkannt hat, hat den Leib gefunden. Wer aber den Leib gefunden hat, 
dessen ist die Welt nicht würdig.``

Erkennt was die Welt nicht ist und erkennt was wirklich lebendig ist.

Die Welt ist für sich genommen nur ein lebloser Leib. Das Leben, das ihn hervorbringt lebt hingegen ewig. Es ist der Geist Gottes.

 

Logion 81 

Jesus sagte: ,,Wer reich geworden ist, möge herrschen. Und wer Macht hat, möge darauf verzichten.``

Sucht nicht Reichtum und Macht, sondern das Reich Gottes, indem ihr ganz nackt und machtlos werdet.

Reichtum und eigene Macht lassen sich nicht mit dem Betreten des Reiches Gottes kombinieren. Nur wenn wir uns gänzlich auf Gott verlassen, kann uns Gott auch leben und versorgen.

 

Logion 82 

Jesus sagte: ,,Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe. Und wer mir fern ist, ist dem Königreich fern.``

Kommt in Jesus, denn er ist das Reich Gottes.

Wer im Reich Gottes ist, der ist das Reich Gottes. Er ist der Heilige Geist. Es gibt in diesem Sinne keine Grenzen und keine Teilung mehr.

 

Logion 83  

Jesus sagte: ,, Die Bilder sind dem Menschen offenbar; und das Licht, das in ihnen ist, ist verborgen 
durch das Bild des Lichtes des Vaters. Er /es wird sich offenbaren, und sein Bild ist verborgen durch sein Licht.``

Lasst von den Bildern ab und erkennt das Licht.

Man sieht entweder Bilder (Täuschungen) oder die Wahrheit. Beides gleichzeitig geht nicht.

 

Logion 84  

Jesus sagte: ,, Heute, da ihr euer Ebenbild seht, freut ihr euch. Wenn ihr aber eure Ebenbilder seht, 
die vor euch entstanden sind, weder sterben sie, noch sind sie offenbar, wieviel werdet ihr ertragen?``

Lasst die Flaschen Vorstellungen von Euch fallen und geht in die Wahrheit ein.

Die wahre Seele des Menschen wird erst offenbar, wenn das falsche Bild nicht mehr für echt gehalten wird.

 

Logion 85  

Jesus sagte: ,, Adam war aus einer großen Kraft und einem großen Reichtum entstanden, und er wurde dennoch 
euer nicht würdig; denn wenn er würdig geworden wäre, hätte er den Tod nicht geschmeckt.``

Findet die große Kraft und den großen Reichtum, der hinter Euch und Adam steht und unsterblich ist.

Wenn wir uns im sterblichen Menschen verlieren, sind wir des Göttlichen unwürdig geworden. Wir sollen zurückkehren in die Göttlichkeit.