Das Leben hat einen Sinn

Dieser erschließt sich nur dann, wenn man das Leben ernst nimmt und für wahr ansieht.

Das Leben dient als Erlebnisrahmen für die Formung der Seele. Es ermöglicht die Erfahrung von Leid, Freude, Verlust, Trennung, Einsamkeit, Glück usw. All dies führt dazu, dass die Frucht hervorgebracht werden kann, die in den Geist aufgenommen werden soll und von diesem hoch geschätzt wird. Die Frucht ist die Erfahrung, die im Licht der Weisheit eingeordnet und verarbeitet wird und zu Sinn und Empfindungsvermögen führt, zur Fähigkeit zu lieben, zur Fähigkeit das Gute zu tun und zu wollen. Hierzu muss das Leben als echt erlebt werden, also nicht mit einem höhnischen Lächeln auf den Lippen, sondern mit Wahrhaftigkeit im Herzen.

In der menschlichen Verzweiflung über das erlebte Leid kommt es mitunter zu Bewältigungsstrategien, die auf einen Ausstieg aus dem Erleben abzielen. Wird der Ausstieg aus der Erfahrung gesucht, so liegt dies zumeist daran, dass nicht an einen Sinn des Lebens geglaubt wird und daher die Hoffnung verloren wird. Wird hingegen vermutet, dass auch das Leid einem Sinn dient, so kann es ertragen werden. So führt die Strategie, den Sinn des Lebens zu verneinen dazu, dass tatsächlich Sinn und Hoffnung verloren gehen, wenn an diese Idee vom Unsinn des Lebens geglaubt wird. Leider laufen auch Menschen Gefahr, sich in eine derartige schnelle Leidensbefreiung zu flüchten, die eigentlich besonders fortgeschritten auf dem Weg hin zur reifen Seele sind. Denn diese Menschen spüren das Leid der Welt in fast unerträglichem Ausmaß. Sie haben tatsächlich Mitgefühl und sehen daher das unsägliche Leid, dass andere Menschen und auch Tiere ertragen müssen. Wenn sie es nicht mehr ertragen können, so bleiben zwei Auswege: (1) Trost beim Herrn oder (2) Ablehnung der Realität des Lebens. Oftmals wird den Menschen, die über eine Unwirklichkeit des Erlebens sprechen dann noch eine schwere Krankheit zuteil, welche ihnen aufgrund der intensiven körperlichen Erfahrung den Weg zurück ins Für-wahr-halten ebnen kann. Doch häufig wird der Körper als irreal abgelehnt, womit er quasi geistig abgetrennt wird und damit auch die Krankheit als fremdartig und unwirklich angesehen wird, als nicht mehr verarbeitet wird.

Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es nicht darum geht, was wirklich hinter der Welt steht. Wir wissen ja letztlich, dass dies im Geist Gottes generiert und erlebt wird. Es geht aber darum, dass das Erleben des Lebens in dieser Welt einen Sinn hat, der sich dann erschließt, wenn das Leben erst gelebt und für wahr gehalten wird und dann, wenn die Zeit reif ist, der einzelne Mensch in den Geist Gottes eingeht und hierbei die Erlebnisse in den Gesamtkontext eingefügt und verarbeitet werden. Das ist dann auch die Versöhnung, die eben auf dem Sinn beruht, auf dem Herzen und der Empfindungsfähigkeit, die im Leben gewonnen wird.

Das Erbe desjenigen Menschen, der das Leben ernst nimmt, ist dann auch die Versöhnung im Heiligen Geist hin zur Einheit mit Gott und seiner ganzen Herrlichkeit. Wer schon einmal einen Eindruck davon bekommen hat, von dieser unfassbaren Güte, der weiß, dass das Leben ein kleiner Preis ist, angesichts des unermesslichen seelischen Reichtums, das uns zuteil werden soll.

Gehöre also nicht denjenigen Menschen an, die sich vor dem Leid weg ducken, indem sie das Leid als unwirklich ansehen. Gehöre vielmehr zu den Menschen, die Glauben haben und den Trost beim Herrn finden. Denn Der Herr lastet uns nur soviel auf, wie wir auch ertragen können. Wenn es zuviel wird, so lädt er uns ein, uns in ihm den Frieden zu suchen oder er spendet uns zwischenzeitlich Trost.

Das Himmelreich gehört also denjenigen, die das Leben ernst nehmen und die seelisch daran wachsen. Das sind jene Menschen, auf die die Seligpreisungen der Bergpredigt passen. Es sind die tapferen, die Liebe und Gerechtigkeit suchen und jene, die trauern. Derjenige, der in der Lage ist, zu leiden und derjenige, der Mitgefühl hat, ist bereitet für die Aufnahme in den Himmel. Derjenige, der weint, wenn er das Leid anderer sieht und derjenige, der nicht anders kann, als das Leid mindern zu wollen, dies sind die Früchte des Lebens, die der Herr sucht. Sei also mutig und gehe mit offenem Herzen durch die Welt. Erlebe den Schmerz und wachse daran. Erlebe alles hellwach und gehe in das Reich Gottes ein, sobald Dein Maß erfüllt ist.

Der Herr wird es Dir reichlich vergelten. Er hat eine unfassbare Schönheit und Güte für dich vorbereitet. Das Erbe gehört demjenigen, der bis zum Ende durchhält und sich nicht in die Meinung flüchtet, die welt sei eine sinnlose Täuschung. Nehme das Leben ernst.