Werde heilig!Heiligkeit ist das Ziel der Reise; Heiligkeit in Gott.

Lasst uns mit Gottes Hilfe in ihm zur Heiligkeit reifen.

Das Thema der Heiligkeit des Gläubigen beschäftigt die Menschen seit Anbeginn und stand auch im Fokus der Diskussionen und Streitigkeiten im Rahmen der Kirchenspaltung als Folge der problematischen Situation in der Kirche und der Reformationsbewegung.

So gibt es die Einsicht, dass der Sünder aus eigener Kraft nicht heilig werden kann, denn dazu ist die Führung und die Kraft des Heiligen Geistes erforderlich.

Weitaus diffiziler ist die Frage danach, ob sich der Mensch aus eigenen Stücken für die Kraft Gottes entscheiden kann, also für die Hinwendung an Gott und die Bitte um Stärkung des Glaubens.

Ich bin der Meinung, dass sich der Mensch tatsächlich aus freien Stücken zu Gott wenden muss, doch hängt seine Bereitschaft und seine Sehnsucht danach von Dingen ab, die sich in seinem Inneren gebildet haben, bevor er dann an dem Punkt steht, an welchem er sich tatsächlich zu Gott wendet. So gibt es eine Vorgeschichte, eine innere Reifungsphase, die noch nicht nach außen hin sichtbar sein muss, zumindest nicht für ungeübte Augen.

Der entsprechend reifende Mensch hat vielleicht schon vor langer Zeit die Evangelien gehört, aber zu jener Zeit nicht wirklich verstanden. Maßgeblich ist jedoch vor allem die innere Reifung des Menschen, die ihm durch das Leben geschieht. Durch die Erlebnisse von Leid, Schmerz, Freude, Liebe, Versöhnung usw. reift sein Herz und sein innerer Wunsch danach, die Quelle der Weisheit, des Lebens und des Guten zu suchen.

Wann der Mensch zu Gott findet, hängt also auch davon ab, welche Erlebnisse er gemacht hat und ob diese in seinem Herzen die erforderliche Antriebskraft hervorgebracht haben. Wenn er dann, wenn er so weit ist, sich an das Evangelium erinnert oder es in dieser reifen Verfassung neu hört, dann kann er es glauben. Dann will er es unbedingt und freut sich darüber, dass die Tür Gottes für ihn offensteht.

Es sind also nicht so sehr die Worte des Evangeliums, die den Menschen reif machen für das Evangelium, sondern es ist das Leben selbst. Wenn er aber reif geworden ist, der Mensch, dann sind es die Worte des Evangeliums, die ihm den Weg weisen und ihn die Tür finden lassen, die für die reifen Früchte im Leben installiert wurde.

Jesus Christus ist in diesem Sinne die Tür und der Pfad. Denn er ist die Adresse und das Vorbild, dem der innerlich reife Mensch folgen kann, um die Transformation zu vollenden und in das Reich Gottes einzugehen.

Der Mensch wird durch ihn eingehen können, denn Jesus Christus ist ja eingegangen, ist also Eins mit Gott. Er wird für die Wandlung den Heiligen Geist empfangen und in seiner Führung die noch bestehenden Altlasten und Irrungen los werden. Je mehr von dieser Altlast, der Sünde, verarbeitet und bereinigt ist, desto mehr wird die Wirkung des Heiligen Geistes in diesem Menschen sichtbar werden.

Es gibt also eine Übergangsphase, in welcher der Mensch noch zu schwanken scheint, bei dem die alten Brocken nach und nach transzendiert und überwunden werden und der Lebenswandel des Menschen heilig wird. Würde der Mensch glauben, dass die Heiligkeit nicht erforderlich ist, so wäre er noch nicht so weit. Wer soweit ist, der wird nach und nach die felsenfeste Überzeugung und innere Triebkraft gewinnen, dass dem-Geist-folgen und heilig-leben untrennbar miteinander einhergeht.

Wer noch nicht soweit ist, der wird weiter sündigen und damit den Heiligen Geist abstoßen und in seiner Wirkung verzögern. Nur das Ausleben dessen, was der Heilige Geist dem Menschen eingibt, lässt die Einheit im Heiligen Geist zu. Es muss also dem Geist gefolgt werden und die Widerstände, die zeitweise gewaltig erscheinen mögen, müssen überwunden werden. In den folgenden Verführungen erweist sich dann, inwieweit die Heilung bereits belastbar ist, oder ob aber eine erneute Infektion mit dem Bösen erfolgt.

Erst wenn sich dann ausreichend innerliche Antikörper gebildet haben, wird der Mensch nicht mehr infizieren und er wandelt sicher durch die Welt der Sünder – als Heiliger.

So ist Heiligkeit und Eintritt in das Reich Gottes untrennbar miteinander verbunden. Wer das noch nicht versteht, der ist noch nicht reif dafür und muss noch mehr erleben und auf dieser Basis innerlich verstehen lernen.

Heiligkeit ist also unbedingte Voraussetzung, um im Reich Gottes zu bleiben, es ist aber auch die Wirkung des Reich Gottes in uns. Insofern ist es wahr, der Sünder wird zunächst durch das Leben darauf vorbereitet, es später einmal in die Heiligkeit zu schaffen, durch die Gnade Gottes.

Es ist im Übrigen auch so, dass der wahrhaft Heilige zunehmend verfolgt wird, seine Belastung wächst also in dem Maße an, wie seine Heiligkeit fortschreitet. Ihm wird immer mehr zugemutet, die Zurückweisung und Angriffe von Seiten der Sünder nehmen zu.

Gleichzeitig, hat der Heilige aber größeres Verständnis für die Lage der Sünder und sieht, dass sie letztlich wie er selbst auf dem Weg zur Heiligkeit und Vollendung im Reich Gottes sind. Der Fortgeschrittene ist daher dazu in der Lage, diejenigen zu lieben, die ihn angreifen, seine Feinde, die er nicht als Feinde wahrnimmt, sondern als jene, die ihn unbewusst zur Vollkommenheit führen helfen, indem sie ihn angreifen.

Die Integration des Sünders in den Heiligen findet nicht dadurch statt, dass Sünde und Heiligkeit als gleichrangig angesehen und integriert werden, sondern dadurch, dass alle Sünder nach und nach hin zu Gott geführt werden und die Sünde in der Versöhnung und Heiligung überwinden. Der Heilige nimmt insofern die Sünde des Sünders auf sich, als die Sünden im Heiligen Geist verarbeitet werden. Dort wird gelernt, gereinigt, geheiligt und versöhnt.

So nimmt Jesus tatsächlich alle Sünden auf sich, da er ja Eins ist mit dem Heiligen Geist und dort alle Sünden verarbeitet sind, alle Sünder versöhnt und in die Heiligkeit überführt sind. Man darf sich also nicht vorstellen, dass im Himmel allerlei Sünder herumlaufen, sondern es ist vielmehr so, dass alle gereinigt und in den Heiligen Geist überführt werden, also heilig werden.

Wenn wir uns keinen heiligen Lebenswandel für uns selbst wünschen, dann sind wir noch nicht soweit, dass dies in uns durchgebrochen ist. Das soll kein Angriff auf gewöhnliche Menschen sein, sondern vielmehr Mut machen, denn es wird ja noch kommen.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch in das Reich Gottes aufgenommen werden soll und der Weg dorthin unterschiedlich steinig ist. Viele Menschen müssen im Fegefeuer erst langsam erkennen, was ihre Taten wirklich bewirkt haben und auf diese Weise das Verständnis entwickeln. Andere leugnen womöglich alles ab, was ihnen im Fegefeuer gezeugt würde und kommen daher in die Hölle, wo sie am eigenen Leib ein Verständnis dafür gewinnen, was es bedeutet, zu leiden. Dies muss aber letztlich immer auf eine spätere Integration in das Reich Gottes abzielen, sonst wäre die Qual ja sinnlos und Gott macht keine sinnlosen Dinge. Wenn dennoch von einer ewigen Strafe gesprochen wird, so ist dies meines Erachtens dem Umstand geschuldet, dass in der Hölle nicht der Eindruck von zeitlicher Änderung besteht, sondern eine zeitlose Erfahrung von Leid gemacht wird, die dennoch beendet werden kann, wenn sich im Herzen des Gequälten Verständnis anbahnt und die Lästerung des Heiligen Geistes überwunden wird.

Es gibt keinen Grund, die Hölle und das Fegefeuer zu verharmlosen, dies sind mit Sicherheit schreckliche Erfahrungen. Und ohne derartige Erfahrungen, kommt letztlich kaum ein Sünder in das Reich Gottes. Wer also schon viel gelitten hat, darf sich freuen, denn womöglich hat sich aufgrund dieses Leides tief in ihm bereits die brennende Sehnsucht nach dem Heil für alle Menschen, alle Wesen, entwickelt. Nicht umsonst heißt es über Jesus Christus, dass er ein Mann der Schmerzen und mit Kummer sehr vertraut war, während er von anderen verachtet wurde und man Annahme er sei von Gott für seine Sünden gestraft worden. Würden wir uns jemanden anvertrauen, der unser Leid nicht nachvollziehen, nicht verstehen kann? Wohl kaum.

So ist Heiligkeit nicht etwas, das uns zweitrangig erscheinen sollte. Wenn wir sie noch nicht haben, dann müssen wir sie noch erwerben. Wir werden nicht im Himmel sitzen dürfen und sagen: „Wir wollen zwar weiter unseren eigenen Zielen nachgehen, aber wir gehören zu Jesus, der ist ja lieb und liebt uns so böse wie wir sind, lasst uns also gewähren und lehrt uns nicht das Gute, transformiert uns nicht, wir wollen so bleiben wie wir sind, wir schätzen unsere kleinen Fehler und das gehört doch alles zu Gott.“ Nein, wir müssen heilig werden, sonst kommen wir nicht hinein, in das Erbe. Solange wir noch nicht transformiert sind, wird es heißen: „Das Erbe ist noch nicht bereit.“

Es ist übrigens auch so, dass wir insbesondere auch dann recht offensichtlich geprüft werden, wenn wir den Grad unserer Heiligung überschätzen. Wenn wir also denken, wir seien schon am Ziel. Dann werden wir schnell erfahren dürfen, dass wir noch Schwächen haben und uns Gott noch stärker zuwenden müssen, bis schließlich die Unabhängigkeit von Gott gänzlich abhanden kommt und wir ganz in seiner Führung leben, ohne Abspaltungen. Dann ist unser Geist und der Heilige Geist synchronisiert und unser Denken und Handeln ist quasi von Gott und wir sind damit Eins mit Gott. Das dies bald passiere, dazu verhelfe uns unser Herr.

Wenn wir also das nächste Mal einen Christen treffen, der vollmundig verkündigt, dass Heiligkeit nicht ein Ziel des Christen sein muss, so lasst uns mit Christus sprechen: „Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun (und sprechen).“ Wenn er dann soweit ist, der falsche Prophet, dann wird er sich schämen und es bereuen und er wird Vergebung erhalten, wie wir alle, die wir auch vergeben. Die Sünde macht blind und trunken, der Heilige Geist macht aber nüchtern und klar. Und so hält der Sünder den Geist der Trunkenheit mitunter für den Heiligen Geist und er verkündigt das, was ihm der Geist der Blindheit verkündet. Es führt zu nichts Gutem, es führt zu der Ansicht, dass Heiligkeit überbewertet wird, überflüssig ist oder gar unmöglich ist. Gott ist heilig und diejenigen, die seinen Geist annehmen, sind es in ihm, mit ihm und durch ihn.